Kloster St. Johannis in Hamburg-Eppendorf

Als wir am 22.02.2015 beim Hockey in der Halle Loogestraße waren, hatten wir zwischendurch eine Stunde Zeit und haben uns auf den Weg zum ehemaligen Kloster St. Johannis gemacht. Ich habe den Gebäudekomplex schon ganz oft von der U-Bahn aus gesehen und nun wollte ich sehen, was das genau ist.

Man entdeckt den markanten Uhrturm, wenn man mit der U1 von Norden Richtung Innenstadt fährt, kurz vor der Haltestelle Kellinghusenstraße auf der linken Seite.

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Das Kloster befindet sich in der Heilwigstraße 158-162, auf der Rückseite wird es begrenzt durch den Alsterkanal. Ein großes schmiedeeisernes Tor mit goldenen Apostelkreuzen verhindert, dass sich Unbefugte auf das Grundstück verirren.

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Auf dem Platz dahinter steht in einem Rundbeet der Heilige Johannis. Als ich gerade versuchte durch das Gitter hindurch zu fotografieren, lud uns eine Bewohnerin ein, doch kurz zum Fotografieren einzutreten. Was für ein Glück!

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Die Dame wohnt bereits seit 20 Jahren in dem Damenstift, sie ist 80 Jahre alt. Von ihr erfuhren wir die ersten Fakten über das Kloster St. Johannis. Ursprünglich bot es standesgemäße Unterkunft für Damen und Mädchen der Hamburger Oberschicht. Firma und Haus der Familie war ja den männlichen Nachkommen vorbehalten. Jede Wohnung hatte auch ein Mädchenzimmer, denn ohne Hausmädchen zog hier keine der Damen ein. Von den Erdgeschosswohnungen ging es eine Treppe nach unten, von den Wohnungen in der ersten Etage eine Treppe nach oben.

Wurde geheiratet, zog man natürlich aus oder gar nicht erst ein. Das bis dahin bereits eingezahlte Geld blieb beim Kloster. Herren haben heute wie damals nichts im „Kloster“ verloren. Verwitwete Damen zogen ins Witwenhaus. Daher auch die drei Hausnummern: Nr. 158 beherbergt das ehemalige Witwenhaus, Nr. 160 das Damenstift und Nr. 162 ist das Haus der Klosterschreiberin (Geschäftsführerin), und die gibt es heute auch noch, wie uns die nette Dame mitteilte. Ob die „Ehrenwerte Jungfrau Domina“ (Stiftsvorsteherin) noch immer eine Senatorentochter ist, konnte ich nicht herausfinden.

Doch bevor das Stift / Kloster in die Heilwigstraße zog, befand es sich an verschiedenen anderen Orten. Doch fangen wir einfach ganz vorne an:

Gräfin Heilwig von der Lippe gründete am 24. Februar 1246 ein Zisterzienserinnenkloster in Herwardeshude. Na, fällt euch etwas auf? Das sind doch bekannte Namen: Nach Heilwig von der Lippe ist heute die Heilwigstraße benannt, und aus dem Dorf Herwardeshude ist inzwischen der Stadtteil Harvestehude geworden. Im Volksmund hieß das Kloster auch Herwardeshude, die Nonnen nannten es jedoch „In Valle Virginum“, Jungfrauental. Heute heißt so eine Straße, und in ihrer Umgebung weisen noch viele andere Straßennamen darauf hin, dass es hier einmal ein Kloster gab: Klosterstern, Klosterstieg, Nonnenstieg, um nur einige zu nennen.

Wer noch mehr über die Gräfin lesen möchte findet einiges an Informationen bei Hamburgs Brücken. Dort erfährt man welchen Einfluss Heilwig und ihr Mann auf das Stiftungswesen in Hamburg hatten. Mit weiterführendem Link.

Als sich ab 1525 die Reformation in Hamburg durchsetzte, wurden die Nonnen vertrieben und das Gebäude zerstört. Einige konvertierten zum evangelischen Glauben und erhielten ein neues Haus zugewiesen. Es stand dort, wo heute unser Rathaus steht und war zuvor ein Männerkloster, das Kloster St. Johannis, daher der heutige Name. 1536 wurde so das Evangelische Conventualinnenstift für unverheiratete Hamburger Patrizier- und Bürgertöchter gegründet. Damit war das alte Kloster Herwardeshude in ein evangelisches Damenwohnstift übergegangen, die Verwendung der Klostereinkünfte hatte fortan den Zweck, Unterbringung und Unterhalt lediger Hamburger Bürgertöchter zu bestreiten.

Dies sollte aber nicht der letzte Umzug gewesen sein: 1837 zogen die Conventualinnen an den Klosterwall und 1914 schließlich in die Heilwigstraße.

Es gibt einen schönen Artikel über das Kloster in der „Welt“  vom 03.01.2001. Unbedingt lesen!

Ganz viele Infos finden sich natürlich auch auf der klostereigenen Seite von St. Johannis  und natürlich bei Wikipedia.

Die Homepage von St. Johannis gibt auch noch schöne Einblicke in das Innere der Gebäude, denn hineinschauen konnten wir nicht.

St. Johannis ist aber kein Seniorenheim! Es gibt keinen Speisesaal mit gemeinsamen Mahlzeiten oder auch nur ein Café. Natürlich kann man sich seine Nachbarn zum Kaffee einladen und das wird wohl auch gerne getan. Selbstverständlich finden auch Weihnachtsfeiern, Konzerte, Lesungen und Tage der offenen Tür statt. Man trifft sich auch mal in der Bibliothek.

Das muss man wissen, sagt uns die nette Dame, es waren schon einige Damen enttäuscht. „Die Damen menagieren selbst“, sagt sie zum Abschied mit einem Augenzwinkern. Sie muss jetzt noch einen Krankenbesuch machen.

Ganz in der Nähe befindet sich der Seelemanns Park. An dieser Stelle befanden sich Villa und Gärten der Familie Seelemann. Das Haus wurde 1906 abgerissen.

Der Park besteht im Wesentlichen aus einer großen Rasenfläche und wirkt zurzeit ein wenig trostlos. Er befindet sich aber direkt am Alsterlauf und allein dafür lohnt ein Besuch. Schräg gegenüber ist der Anleger „Winterhuder Fährhaus“.

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Im Park befindet sich eine Büste von Samuel Heinicke (ja, auch nach ihm wurde eine Straße benannt).

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Samuel Heinicke lebte von 1727 bis 1790. 1768 wurde Heinicke Schulmeister und Kantor an der St.-Johannis-Kirche in Hamburg-Eppendorf. Dort unterrichtete er auch einen gehörlosen Jungen und befasste sich in der Folge ausführlich mit den Möglichkeiten, gehörlose Kinder zu unterrichten. Er wurde als Pädagoge und „Erfinder“ der Deutschen Methode der Gehörlosenpädagogik bekannt.

Geht man die Straße weiter, kommt man schließlich an der St. Johannis Kirche an. Doch die ist es wert, dass man ihr einen eigenen Artikel widmet. Oder frei nach der „Feuerzangenbowle“: „Dat krieje mer späder.“

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