Blogparade – Zeigt mir eure Gegend – hier: Berchtesgadener Land

Die Blogparade von @kurzundknapp „Zeigt mir eure Gegend“ (Ein Klick öffnet den Link zu Sabstern.de) hat mich animiert, mal bei so etwas mit zu machen. Ich habe aber nicht Hamburg oder Fuhlsbüttel gewählt, sondern den Flecken, an dem wir seit fünf Jahren Urlaub machen, das Berchtesgadener Land.

Eigentlich bin ich Hamburgerin mit Leib und Seele und längere Zeit ohne Alster oder Elbe machen mich krank. Ich sieche dann dahin. Doch seit fünf Jahren tausche ich mit meiner Familie die norddeutsche Tiefebene einmal im Jahr gegen die Alpen ein. Zwei Wochen halte ich das gut aus, dann muss ich zurück. (Wenn ich ehrlich bin, wären drei Wochen auch ganz okay.)

Ins Berchtesgadener Land sind wir eher zufällig gekommen. Wir suchten nach einem Urlaub für die ganze Familie, der für alle erholsam ist. Unser damals 8-jähriger Sohn war (und ist) ziemlich lebhaft, und am Strand mussten wir immer für Animation sorgen und konnten überhaupt nicht in Ruhe chillen. In einen Kinderclub wollte er nicht mehr. Ich erinnerte mich dann an die Urlaube mit meinen Eltern in den Bergen in Österreich. Ich hatte daran tolle Erinnerungen von herrlichen sonnigen Tagen in den Bergen. Himbeer- und Waldmeisterbrause auf idyllischen Almen, Kühe, Dirndl, wandern und – wie gesagt – ganz viel Sonne. Als ich dann die alten Fotos rauskramte, sah ich zwei kleine Mädchen (meine Schwester und mich) in gelben Regenjacken… Von Sonne keine Spur. Das hat uns erst ein wenig entmutigt, aber meine Erinnerung war eine andere. Es muss auch mal Sonne geschienen haben.

Ab ins Reisebüro. Eher intuitiv entschieden wir uns für ein kleines Familienhotel in Bayerisch Gmain bei Bad Reichenhall. Voller guter Vorsätze und gut ausgerüstet kamen wir damals im Berchtesgadener Land an. Was uns fehlte war Kondition.

Das Berchtesgadener Land (BGL) liegt im äußersten Südosten Bayerns. Das kleine pfeilförmige „Anhängsel“ ragt nach Österreich hinein.

Die größten Städte im BGL sind Bad Reichenhall, Freilassing, Teisendorf und Berchtesgaden, wobei Teisendorf und Berchtesgaden als Märkte, also Orte mit Marktrecht, bezeichnet werden. Die Landschaft drum herum ist ganz großes Kino. Aber um so weit schauen zu können wie bei uns in Norddeutschland muss man auf die Berge.

Das Berchtesgadener Land punktet natürlich mit seinen Bergen. Hamburger, die schon die Harburger Berge beeindruckend finden, kommen hier aus dem Staunen nicht mehr raus. Erst ab 1.000m ist hier ein Berg ein Berg. Der höchste und wohl auch bekannteste ist der Watzmann (2713m). Viele wollen hier rauf, aber da es hier keine Seilbahn gibt und die Aufstiege zu den anstrengenden gehören, schafft es nicht jeder. Und ich rede hier nicht von der Ostwandüberschreitung. Die hat Herr Andrack übrigens erfolgreich gemeistert und hier sehr amüsant beschrieben. Es gibt aber auch noch: das Hochkaltermassiv, Steinernes Meer, Hagengebirge, das Göllmassiv, Funtenseetauern, Hochstaufen, Untersberg, Lattengebirge, Reiteralpe, Obersalzberg und und und. An Bergen herrscht kein Mangel.

König Watzmann

König Watzmann

Einen besonders schönen Ausblick hat man z.B. vom Jenner (1874m), und der ist für fast alle zu schaffen, denn hier fährt eine Seilbahn rauf. Das letzte Stück bis zum Gipfelkreuz muss man aber selber laufen. Dafür wird man mit einem herrlichen Blick auf die umgebende Bergwelt und den Königssee belohnt. Womit wir bei einem weiteren Highlight wären. Den Königssee muss man gesehen haben. Mit den Elektrobooten kann man gemütlich über den See schippern und seinen Füßen mal eine Pause gönnen. In St. Bartholomä kann man herrlichen Räucherfisch frisch vom Königssee-Fischer essen, sich die wunderschöne Kirche anschauen und natürlich zu einigen Wanderungen aufbrechen. Sehr schön ist die Wanderung zur Eiskapelle, dem niedrigsten ganzjährigen Schneefeld. Wer jetzt noch mag, fährt weiter nach Salet. Auch hier kann man einkehren, auf der Saletalm. Oder man lässt die Touristenströme zurück und wandert weiter zum Obersee. Hier spiegelt der See die umgebende Landschaft so perfekt, dass man nicht weiß, wo oben und unten ist. Weiter geht es dann zu den Röthbachfällen, dem höchsten Wasserfall Deutschlands.

Eiskapelle (17)

Eiskapelle

Eiskapelle (20)

Eiskapelle

Jenner (26)

Blick vom Jenner auf den Königssee

Jenner (47)

Jenner

Jenner (54)

Berge ohne Ende

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Obersee

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Röthbachfall

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St. Bartholomä

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne große Steigung wandert man im Wimbachgries. Zwischen Hochkalter und Watzmann fühlt man sich unendlich klein. Die Almbachklamm bietet eine wilde Wasserwelt, die jedes Jahr nach dem Winter wieder neu für die Touristen aufgebaut werden muss. Auch dies eine eher entspanntere Tour.

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Wimbachgries

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Wimbachgries

 

 

 

 

 

Ihr wandert nicht so gerne? Wie wäre es mit Städtetouren in Bad Reichenhall oder Berchtesgaden? Beide Orte bieten eine Menge zu sehen. Man kann sich aber auch einfach auf eine der vielen Liegen im Kurpark Bad Reichenhall legen und relaxen. Oder mit der Seilbahn auf den Predigtstuhl, den Hausberg Bad Reichenhalls? Seit einigen Monaten ist das Restaurant dort oben auch wieder bewirtschaftet; wem es dort zu teuer ist, der wandert 15 Minuten zur Schlegelmulde und bekommt dort zünftiges bayrisches Essen. Mit Glück kann man noch Gleitschirmflieger beim Start beobachten. Auch auf den sagenumwobenen Untersberg, den Kraftort Europas, kann man mit einer Seilbahn gelangen. Aber Achtung: auch wenn man Seilbahn fährt, sollte man geeignete Schuhe tragen, denn auf dem Berg gibt es keine gepflasterten Wege! Keine Seilbahn, aber Busse fahren auf den Obersalzberg. Das letzte Stück zum Kehlsteinhaus fährt man mit einem Fahrstuhl, wie ihr ihn noch nicht gesehen habt. Die NSDAP hat die Straße, Tunnel, Fahrstuhl, Kehlsteinhaus für Adolf Hitler zum 50. Geburtstag gebaut. Der war dann aber gar nicht so oft hier. Weiter unten am Parkplatz gibt es eine Ausstellung, die beleuchtet, wie es damals um Berchtesgaden und anderswo zuging. Sehr interessant. Wenn es so warm ist, dann geht man in eines der herrlichen Freibäder. Natürlich immer mit Blick auf die Berge.

Aschauer Weiher Schwimmbad

Aschauer Weiher Schwimmbad

Und was macht man bei Regen? Ganz Hartgesottene gehen trotzdem wandern. Aber man kann ins Salzbergwerk Berchtesgaden fahren oder in die Saline Bad Reichenhall. Untertage ist es egal, ob es oben regnet. Aber Achtung! Auf diese Idee kommen an Regentagen viele. Noch ziemlich neu ist das Haus der Berge in Berchtesgaden. Hier lernt man viel über das Land der Seen und Berge. Vieles darf man auch anfassen. Ein Besuch lohnt unbedingt. Aber auch hier wird es bei Regen ziemlich voll. Oder man geht in eine der umliegenden Thermen. Man kann auch nach Salzburg fahren, das liegt nur einen Katzensprung entfernt. Dort bieten einige Museen, Kaffees und Kinos Unterschlupf bei Regen. Ansonsten ist Salzburg bei Regen aber eher trostlos. In Traunstein gibt es auch noch ein schönes Mammutmuseum.

Wir versuchen es so zu halten, dass sich Wanderungen und Entspannung die Waage halten. Wobei wandern für uns auch Entspannung ist. Jedenfalls jetzt. Im ersten Jahr waren wir so schlecht in Form, dass sich die angegebene Wanderzeit auf den Hinweisschildern fast verdoppelt hat. Das war ganz schön frustrierend. Uns war auch nicht klar, dass die angegebenen Gehzeiten fürs Wandern gelten und nicht für Spazierengehen oder gar Schlendern. Mittlerweile schaffen wir es in der Regel in der angegebenen Zeit. Man muss auch nicht immer die ganz großen Gipfel erklimmen. Es gibt auch schöne Almwege, die einem nicht alles abverlangen. Wer genau hinschaut, wird überall schöne Ausblicke entdecken. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Brauchtum und Heimatverbundenheit spielen hier eine ganz große Rolle. Beim Heimatabend bekommt man davon ganz viel mit. Ich bin z.B. ein großer Fan vom Schuhplattln geworden. Das ist wie trommeln.

Für uns sind dies die entspanntesten Urlaube, die wir je hatten. Das klingt komisch, wo wir dort doch den ganzen Tag auf den Beinen sind, aber wir tanken Kraft. Alex langweilt sich dort jedenfalls nicht. Unser Hotel hat außerdem noch W-LAN, so dass er abends noch ein bisschen daddeln kann. Mit Frau und Herrn Unterrainer, den Eigentümern des Hotels, und den Deerns vom Zimmerservice haben wir großes Glück gehabt. Wir wurden vom ersten Tag an freundlich aufgenommen und Alex hat hier immer einen Ansprechpartner. Ob ein Hammer für die Stocknägel am Wanderstock oder eine Zange um die krumm geschlagenen Nägel wieder raus zu ziehen. Herr Unterrainer besorgt (fast) alles.

Ach ja, wer Diät lebt, vegetarisch oder gar vegan isst, der hat es hier schwer. In Bayern isst man Fleisch. Die Portionen sind groß. Diese Kalorienmengen kann man nur auf eine Art bewältigen: wandern. Wo wir wieder beim Thema wären.

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Oh, Gott, ich habe vergessen, den Hintersee, Ramsau, den Thumsee, die Weißbachschlucht, Wimbachschloss, die Eishöhle, den Salachsee und und und zu erwähnen. Ich habe auch nicht erzählt, dass man hier herrlich mit dem Mountainbike unterwegs sein kann. Und klettern, man kann natürlich klettern. Wer mag, kann sich ja noch ein paar Blogbeiträge durchlesen. Nächstes Jahr kommt wieder was Neues.

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4 Responses to Blogparade – Zeigt mir eure Gegend – hier: Berchtesgadener Land

  1. Das ist ja schön beschrieben 🙂 Ich wohne zwar inzwischen in Franken und somit nicht ganz in Bayern, hab aber diese Gegend auch schon mal bewandert. Ist leider nur so lange her… Bei Deiner Beschreibung kriege ich Lust, dort wieder hinzufahren. Mal sehen.
    In Hamburg war ich dagegen nur zweimal und das jeweils ganz kurz, um mir eine Ausstellung anzugucken und mit dem Zug wieder zurückzufahren. Ich kann mich erinnern, dass ich so etwas wie eine Stadtmitte gesucht und nicht gefunden habe. Vielleicht sollte ich mir dafür mal etwas mehr Zeit gönnen. 🙂

    • SibyTrost says:

      Für Hamburg solltest du dir definitiv etwas Zeit gönnen. Es gibt zwar eine Stadtmitte, die City, aber am Wochenende ist es da ziemlich tot. Außer zu Weihnachten, wenn die Weihnachtsmärkte locken. Aber es stimmt schon, jeder Stadtteil hat auch irgendwie sein eigenes Zentrum. Ich werde einfach noch mehr über Hamburg schreiben, vielleicht zieht es dich dann ja unwiederstehlich nach Hamburg. 😉

  2. Bernd says:

    Tolle Tipps und Fotos, vielen Dank! Ich schaffe es dieses Jahr endlich mal ins BGL… habe gerade unseren Urlaub für Mai gebucht und zwar im Haus Angerer in Berchtesgaden, das sieht total schön aus. Sehr hilfreich finde ich auch deine Regenwettertipps, denn im Mai kanns natürlich auch mal nicht so schön sein. Das Salzbergwerg klingt jedenfalls sehr vielversprechend, das gefällt meinen Jungs sicher! Freu mich schon! 🙂

    • SibyTrost says:

      Hallo Bernd,
      da wünsche ich euch viel Spaß. Unser Urlaub ist auch wieder gebucht. 🙂 Bei Regenwetter für das Salzbergwerk unbedingt im Internet Karten vorbestellen, man erspart sich viel Wartezeit. Das Haus der Berge kann ich auch wärmstens empfehlen, vor allem weil man da ganz viel anfassen darf. Schreibt doch mal wie es war, ich würde mich freuen.
      LG Sibylle